Gefährlich und unangreifbar? Neue Corona-Mutationen breiten sich in USA rasant aus

Gleichzeitig sind an der West- und an der Ostküste der USA Sars-CoV-2-Mutationen aufgetaucht, die Sorgen bereiten. Die kalifornische Variante scheint gefährlicher zu sein, die Mutante in New York überlistet die Impfung. Und beide breiten sich rasend schnell aus.

Es liegt in der Natur von Viren, dass sie nicht lange gleich bleiben. Sie verändern sich quasi bei jeder Übertragung. Sie tun das, um sich jedem potenziellen Wirt anzupassen und ihre maximale Vermehrung zu sichern. Beim Coronavirus Sars-CoV-2 wurden nach der ersten Welle mindestens 12.000 Mutationen festgestellt, die alle keine große Bedeutung hatten.

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Inzwischen sind aber Mutationen aufgetreten, die das Pandemiegeschehen deutlich beeinflussen. Die in Großbritannien, Südafrika und Brasilien festgestellten Mutanten haben vielerorts die Oberhand über das Ursprungsvirus gewonnen. Durch die Mutationen gelingt es dem Virus leichter, in menschliche Zellen einzudringen. Sie sind definitiv ansteckender, möglicherweise auch gefährlicher für die Infizierten hinsichtlich des Krankheitsverlaufs und des Sterberisikos. Immerhin: Die bisher entwickelten Impfstoffe können allem Anschein nach auch bei den Mutationen verhindern, dass Infizierte (schwer) erkranken.

Mutanten in Kalifornien und New York verbreitet

Jetzt sind jedoch in den USA Mutanten aufgetaucht, welche die große Sorge verstärken, dass die Vakzine gegen sie versagen. Unabhängig voneinander entstanden in Kalifornien und New York Virusvarianten, die bei Virologen Sorgenfalten hervorrufen.

Zuerst berichtete die Los Angeles Times, dass sich die Sars-CoV-2 Variante mit der Bezeichnung B1.427/B1.429 schnell in Kalifornien ausbreitet. Im September noch unbekannt, war sie im Januar schon in jeder zweiten Positiv-Probe zu finden und wird vermutlich Ende März 90 Prozent aller Infektionen in dem Bundesstaat ausmachen, der besonders stark von der Pandemie betroffen ist.

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Schlimmer als diese Dominanz durch hohe Ansteckungskraft ist die Befürchtung von Wissenschaftlern der University of California in San Francisco, dass diese Mutationen zu mehr schweren Covid-19-Verläufen mit höherer Sterblichkeit führen. Der Virologe Charles Chiu war der Mutation seit Ende letzten Jahres auf der Spur.

Chiu sagt nun, dass die Infizierten fünfmal häufiger auf die Intensivstation mussten als Covid-19-Patienten mit dem ursprünglichen Sars-CoV-2-Erreger. Das Sterberisiko war sogar elfmal so groß. Andere Wissenschaftler wollen Chius Besorgnis noch nicht teilen. Die Datenbasis von 324 Patienten gäbe eine so dramatische Schlussfolgerung nicht her.

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In der Region New York macht sich derweil die Variante B1.526 breit. Abgesehen davon, dass sie ebenfalls sehr ansteckend ist, weist sie eine Mutation auf, die eine Immunisierung nach überstandener Covid-19-Erkrankung oder einer Impfung in Frage stellt.

Zwei Forscherteams vom California Institute of Technology und der Columbia-Universität in New York haben unabhängig voneinander die E484K-Mutation in dieser Variante entdeckt. Sie wird auch als „Escape-Mutation“ bezeichnet. Denn durch diese Veränderung an ihrer Oberfläche können die Viren den Antikörpern entkommen (escape), die das Immunsystem als Reaktion auf die Sars-Cov-2-Infektion oder die Impfung bildet.

Reinfektion durch Mutanten möglich

Experten gehen momentan nicht davon aus, dass diese Mutation eine Immunisierung durch die aktuellen Impfstoffe zunichte macht. So sagte Richard Neher von der Universität Basel in der Süddeutschen Zeitung: „Es ist noch kein dramatischer Befund, weil Impfungen wahrscheinlich immer noch sehr gut gegen schwere Erkrankungen helfen.“

Es ist aber möglich, dass sich Menschen, die bereits mit dem Original-Sars-CoV-2 infiziert waren, noch einmal mit der Mutante anstecken können. Eine solche Reinfektion würde dann vermutlich milde verlaufen.

Die E484K-Mutation scheint bisher überall dort aufzutreten, wo sehr viele Menschen bereits eine Infektion durchgemacht haben, wie vor New York bereits in Südafrika und Brasilien. In beiden Ländern sind Mutanten auf dem Vormarsch, die eine „Escape-Mutation“ aufweisen.

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  • Beobachten ja, aber Alarm ist verfrüht

    De New Yorker Mutante B1.56 weist zusätzlich die genetische Veränderung S477N auf. Dadurch können sich Viren besser an menschliche Zellen binden und diese leichter infizieren. Diese Mutation allein scheint aber nicht besonders hilfreich für eine große Ansteckungskraft zu sein. In Frankreich, wo S477N vermehrt beobachtet wurde, sind Viren mit dieser Mutation komplett von der britischen B.1.1.7-Mutante verdrängt worden, sagt Virologe Richard Neher.

    Er hält es auch für verfrüht, wegen der US-Varianten Alarm zu schlagen. „Es braucht schon eine außergewöhnliche Kombination von Mutationen, damit ein Virus seine Eigenschaften merklich verändert.“ Beobachten müsse man die Mutanten aus Kalifornien und New York allerdings schon.

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