Nur 5,4 Prozent: Schwarze US-Amerikaner laut CDC-Studie deutlich seltener geimpft

Zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar erhielten in den USA nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC fast 13 Millionen Menschen mindestens eine Impfdosis. Ein Blick auf die Zahlen lässt jedoch stutzen: Von den rund 6,7 Millionen Menschen, die ihre ethnische Zugehörigkeit angegeben hatten, bezeichneten sich gerade einmal 5,4 Prozent als Schwarze. Das ist deutlich weniger als der Anteil der Schwarzen, die in dem Land in Pflegeheimen leben (14 Prozent) oder im Gesundheitswesen arbeiten (16 Prozent). Beide waren in der höchsten Prioritätsgruppe für die Immunisierung.
Im Gegensatz dazu haben sich laut den CDC-Daten 60,4 Prozent als Weiße zugeordnet. Weitere 11,5 Prozent gaben demnach an, lateinamerikanischer oder asiatischer Abstammung zu sein.
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Die US-Gesundheitsbehörde mahnte jedoch zu Zurückhaltung bei der Bewertung der Studie, da es zurzeit noch zu wenige Daten gäbe. Während die Bundesstaaten in fast allen Fällen Alter und Geschlecht angaben, enthielt nur knapp die Hälfte der Aufzeichnungen Daten zur ethnischen Zugehörigkeit. Zudem gaben 14 Prozent der befragten Geimpften ihre Zugehörigkeit als "vielfältig" an oder sahen sich einer anderen Ethnie zugehörig. Deshalb seien unbedingt weitere Studien nötig, um über Ungerechtigkeiten in der US-Impfkampagne abschließend urteilen zu können, erklärte die CDC.
Schwarze und Latinos sterben unverhältnismäßig häufiger als Weiße
Dennoch häufen sich die Berichte, dass Schwarze und Latinos in den Vereinigten Staaten bei der Verteilung des Impfstoffs benachteiligt werden. In einigen Regionen stehen die Impfzentren in vor allem von Weißen US-Amerikanern bewohnten reicheren Gegenden. Zudem verfügen längst nicht alle US-Bürger über einen Internetzugang, der für die Vereinbarung eines Impftermins nötig ist.
Währenddessen zeigen die Zahlen, dass Schwarze und Latinos in den USA unverhältnismäßig oft an Covid-19 erkrankt und gestorben sind. Laut dem "Covid Tracking Projekt" sterben Schwarze 1,5-mal und Latinos 1,2-mal häufiger an einer Infektion als weiße US-Amerikaner.
Die Gründe hierfür liegen auch an der jahrzehntelangen Politik, die systematisch die Ungleichheiten verstärkt und diese Gruppen anfälliger für eine Corona-Erkrankung gemacht hat. So entwickeln beispielsweise schwarze US-Amerikaner in ihrem Leben fast doppelt so häufig wie Weiße Typ-2-Diabetes – ein hoher Risikofaktor bei einer Covid-19-Infektion. Gleichzeitig sind Schwarze und Latinos im amerikanischen Niedriglohnsektor überrepräsentiert, besonders in Jobs, in denen es oft schwierig ist auf Social Distancing zu achten.
Wie dramatisch die Auswirkungen der Pandemie für diese Menschen sein werden, zeigt ein Artikel in dem Journal "Proceedings of the National Academy of Sciences": Laut den Wissenschaftlern ist die Lebenserwartung bei Schwarzen und Latinos in den USA durch Corona um zwei beziehungsweise drei Jahre gesunken. Zum Vergleich: Bei Weißen sank diese um 0,68 Jahre.
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Corona-Zahlen in den USA sinken – Biden zieht Impftempo an
Der neue US-Präsident Joe Biden hat den Kampf gegen die Pandemie zu einem seiner Kernanliegen erklärt. Sein Ziel: Bis zum Ende seiner ersten 100 Tage im Amt – Ende April – sollen mindestens 100 Millionen Impfdosen verabreicht worden sein. In den vergangenen Tagen hatte das Impftempo zugenommen. Nach Angaben der CDC wurden bislang etwa 32,2 Millionen Impfdosen gespritzt.
Seit Ende Januar gehen die Corona-Zahlen in den USA langsam wieder runter. Am Montag sind binnen 24 Stunden circa 131.000 Neuinfektionen gezählt worden – rund 20.000 weniger als noch vor einer Woche, wie aus den Daten der Johns-Hopkins-Universität hervorgeht. Insgesamt haben sich von den rund 330 Millionen US-Amerikanern bislang mehr als 26,3 Millionen mit dem Virus infiziert, mehr als 443.000 Menschen starben. In absoluten Zahlen sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt.
Weitere Quellen: "The Guardian", "Covid Tracking Projekt", mit AFP
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