Neue Studien: Weniger schwere Erkrankungen bei Omikron – warum Experten dennoch keine Entwarnung geben

In Südafrika, dort, wo die Omikron-Variante des Corona-Virus zuerst sequenziert worden ist, gab es bereits in der vergangenen Woche vorsichtige Aussicht auf mildere Verläufe bei Omikron. Michelle Groome vom Nationalen Institut für übertragbare Krankheiten (NICD) hatte zwar Rekordzahlen bekannt gegeben, aber darauf hingewiesen, dass die Zahl der Krankenhauseinweisungen nicht im gleichen Maße steige. Es habe auch dort "ein paar Zuwächse, aber relativ kleine Zuwächse bei den Todesfällen" gegeben, sagte er. Nun deuten auch zwei Studien aus Großbritannien darauf hin, dass Corona-Infektionen mit der Omikron-Variante im Vergleich zur Delta-Variante seltener zu einem Krankenhausaufenthalt führen.
So untersuchten schottische Forscher Covid-Fälle, die im November und Dezember aufgezeichnet wurden. Sie verglichen dabei Infektionen mit der Omikron-Variante mit solchen der Delta-Variante. Dabei stellte sich heraus, dass das Risiko für eine Krankenhauseinweisung bei einer Infektion mit Omikron im Vergleich um zwei Drittel senkt. Zudem biete die Auffrischungsimpfung einen erheblichen zusätzlichen Schutz vor symptomatischen Erkrankungen.
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Omikron: „Das Infektionsrisiko bleibt hoch“
Die Fallzahl der Studie war allerdings klein und es wurden keine Personen unter 60 Jahren ins Krankenhaus eingeliefert. Die Autoren erklärten jedoch, dass sie diese Einschränkungen mit statistischen Methoden ausgeglichen hätten. Studienautor Jim McMenamin sagte zu Journalisten, dass die Studienergebnisse eine bedingt "gute Nachricht" seien – bedingt, weil es sich um frühe Beobachtungen handelte, die aber "statistisch signifikant" seien.
In einer weiteren Studie von Forschern des Imperial College in London wurde festgestellt, dass die Zahl aller Krankenhauseinweisungen bei Omikron im Vergleich zu Delta um 20 bis 25 Prozent zurückging. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte, die eine Nacht oder länger dauerten, ging sogar um 40 bis 45 Prozent zurück. In der schottischen Studie wurden dagegen nur Aufenthalte von mindestens einer Nacht untersucht.
Azra Ghani vom Imperial College London, die die englische Studie mitverfasst hat, erklärte: "Das verringerte Risiko einer Krankenhauseinweisung bei der Omikron-Variante ist zwar beruhigend, aber das Infektionsrisiko bleibt extrem hoch." Eine Auffrischung der Impfung biete "weiterhin den besten Schutz vor Infektionen und Krankenhausaufenthalten."
Großbritannien
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Studien bislang nicht unabhängig bewertet
Keine der Studien wurde bislang von unabhängiger Seite begutachtet. Die Studien tragen allerdings zu einer wachsenden Zahl an wissenschaftlichen Erkenntnissen bei, die einen weniger schweren Verlauf von Omikron-Infektionen zu bestätigen scheinen. Es bleibt allerdings unklar, ob die beobachtete geringere Rate schwerer Fälle auf die Eigenschaften der Omikron-Variante zurückzuführen ist oder ob die Krankheit milder verläuft, weil sie auf Bevölkerungsgruppen trifft, die durch frühere Infektionen und Impfungen eine stärkere Immunität besitzen.
Die Professorin für Pharmazeutische Medizin am King's College London, Penny Ward, die nicht an den Studien beteiligt war, erklärte, diese änderten "nichts an der außergewöhnlichen Ausbreitung dieser Variante in der Bevölkerung". Es sei eine Tatsache, dass "selbst ein kleiner Anteil von Menschen, die wegen Covid im Krankenhaus behandelt werden müssen, zu einer sehr großen Zahl werden kann, wenn die Zahl der Ansteckungen in der Bevölkerung weiter ansteigt."
Deutscher Expertenrat rechnet mit „extremen Patientenaufkommen“
Auch in Deutschland herrscht diese Einschätzung vor. Der Expertenrat der Bundesregierung schrieb in seiner Stellungnahme: "Sollte sich die Ausbreitung der Omikron-Variante in Deutschland so fortsetzen, wäre ein relevanter Teil der Bevölkerung zeitgleich erkrankt und/oder in Quarantäne." Und weiter: "Schnell steigende Inzidenzen bergen hohe Risiken für de kritische Infrastruktur".
Der Expertenrat bezog dazu bereits eindeutig die Möglichkeit von milderen Verläufen mit ein: "Aufgrund des gleichzeitigen, extremen Patientenaufkommens ist eine erhebliche Überlastung der Krankenhäuser zu erwarten – selbst für den wenig wahrscheinlichen Fall einer deutlich abgeschwächten Krankheitsschwere im Vergleich zur Delta-Variante."
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