Massensterben durch den schwarzen Tod – wie tödlich wütete die Pest im Römischen Reich?

Kaiser Justinian, Mosaik aus der Basilika des heiligen Vital von Ravenna
Sie gilt als eine der schwersten Epidemien, die Europa – von Norden bis nach Ägypten und den Iran – je getroffen hat. Lange galt die Pestwelle, die ab dem Mitte des 5. Jahrhunderts auf dem Kontinent wütete, als eine Zäsur. Sie soll rund die Hälfte der Bevölkerung dahingerafft haben. Auch der Kaiser selbst, Justinian, erkrankte, überlebte aber die Welle, die als Justinianische Pest in die Geschichte einging. Und lange in den Augen der Wissenschaft den Untergang des Römischen Reichs und das Ende der Antike eingeläutet habe.
Doch schon seit einigen Jahrzehnten widersprechen einige Historikern dieser Theorie. Die Einschätzungen über die Bevölkerungsverluste werden von einigen Fachleuten als „hysterisch“ eingestuft. Neben schriftlichen Überlieferungen des griechischen Schreibers Prokop und einigen Kirchengeschichten gibt es auch archäologische Funde. Nun hat ein Historikerteam des National Socio-Environmental Synthesis Center der Universität von Maryland eine neue Studie veröffentlicht. Neben den historischen Quellen wurde auch der Umlauf von Münzen, Bestattungspraktiken, Pollenproben, Inschriften und weitere Daten untersucht. „Wenn diese Pest ein entscheidender Moment in der Geschichte der Menschheit gewesen wäre, der, wie oft behauptet wird, in nur wenigen Jahren zwischen einem Drittel und der Hälfte der Bevölkerung im Mittelmeerraum das Leben gekostet hätte, müssten wir Beweise dafür haben – aber unsere Datenerhebung fand keine“, sagte Lee Mordechai, der an der Studie mitgearbeitet hat, zu „CNN“.
Schwarzer Tod
Der Kampf gegen die Pest ist in diesem Jahr ein Krieg
Auf Madagaskar ist die Pest ausgebrochen – wie jedes Jahr. Die aktuelle Erkrankungswelle bereitet Medizinern jedoch Sorge. Die Epidemie verläuft aggressiver als sonst.
Pestwelle im Römischen Reich
Die Forscher stellten fest, dass deutlich weniger Menschen bei der Pestwelle gestorben sein müssen. Die Epidemie spielte demnach auch keine Rolle beim Untergang des Römischen Reiches. „Wir finden kaum Belege für die Behauptung, dass die Justinianische Pest ein Wendepunkt war“, so die Studie, die in der Zeitschrift Proceedings der National Academy of Sciences veröffentlicht wurde. Eine der Begründungen der Forscher, warum so lange an der Todeswelle festgehalten wurde: Frühere Wissenschaftler hätten sich auf die eindrucksvollen, schriftlichen Quellen konzentriert und diese Erkenntnisse auf andere Orte im Mittelmeerraum übertragen – und gleichzeitig hätten sie viele zeitgenössische Texte ignoriert, in denen die Justininanische Pest überhaupt gar nicht auftauchte.
Ein Indiz für den milderen Verlauf der Pest ist die Form der Bestattung. Rafft die Krankheit in kurzer Zeit viele Menschen dahin, ändert sich auch die Form der Gräber. So sind aus der Zeit des „Schwarzes Todes“, der großen Pestepidemie im Mittelalter, Massengräber bekannt, in denen die Toten notdürftig verscharrt wurden. Solche Gräber konnten die Forscher für den Zeitraum im 5. Jahrhundert nicht ausmachen. „Wir haben einen großen Datensatz von menschlichen Bestattungen vor und nach dem Ausbruch der Pest untersucht, und die Pest führte nicht zu einer signifikanten Veränderung“, so Janet Kay, Co.Autorin von der Princeton University.
Ausbruch der Seuche 1892
Die Totengräber arbeiteten rund um die Uhr – als die Cholera in Hamburg wütete
Schlimmer als die Pest – so wütete in Hamburg die große Cholera-Epidemie. Knapp 9000 Menschen starben – auch weil die Stadt die Seuche lange unterschätzte. Und die dreckigen Armenviertel einen perfekten Nährboden für die Krankheit boten.
Landwirtschaft brach nicht zusammen
Auch wurde die landwirtschaftliche Produktion in der Epoche untersucht. Dafür schauten sich die Experten die Menge der Getreidepollen genauer an: Eine Verringerung dieser würde bedeuten, dass die Landwirtschaft schrumpft. Dies geschah zur Zeit der mittelalterlichen Pestausbrüche. „Wenn weniger Menschen auf dem Land arbeiten, hätte dies in Pollen nachgewiesen werden müssen, aber bisher ist dies nicht gelungen“, so ein weiterer Studienautor.
Allerdings räumen die Forscher ein, dass auch ihre Datensätze nicht perfekt seien. So könnten zukünftige Forscher ihrer Arbeit widersprechen. Doch aktuell hätten sie alle verfügbaren Daten ausgewertet. dafür arbeitete ein interdisziplinäres Team zusammen.
Epidemie
Mehr als 100 Menschen sterben in Madagaskar an der Pest
Dass die Pestwelle dennoch schwer war, ist unbestritten. Allerdings geht die moderne Forschung inzwischen davon aus, dass „nur“ rund ein Viertel der Bevölkerung an der Erkrankung starb. Justinian selbst überlebte zwar die Pest, soll danach aber ein gänzlich anderer Mensch gewesen sein. Statt voller Elan wird er als zögerlich beschrieben. Er starb im Alter von 83 Jahren eines natürlichen Todes.
Neu in Gesundheit
Anti-Entzündungsdiät
Welche Nahrungsmittel machen uns alt und schrumpelig und welche halten uns jung?
stern Reisewelten
Budapest – Genussvolle Kurzreise mit Design-Hotel, Food-Tour und Menü ab 399 Euro
"Team Wallraff"
Schläge, Hunger, Einzelhaft – welchen Horror manche Psychiatrie ihren Patienten antut
Spanien
Britin stirbt in Schneesturm – und wird sechs Stunden später wiederbelebt
Umstrittenes Verfahren
US-Ärzte transplantieren Herz eines Mannes, der nicht hirntot ist – eine Maschine lässt es stundenlang schlagen
Nach Herzstillstand
"Es ist wie ein Wunder" – Britin stirbt in Schneesturm und wird sechs Stunden später wiederbelebt
Oberschule Söhlde
Wegen Maserngefahr: "21 ungeimpfte Kinder haben vorerst Schulverbot bei uns"
Hochansteckendes Virus
WHO warnt: Zahl der Todesfälle durch Masern ist deutlich angestiegen
Hamburger Stadtteil Veddel
Früher gab es nur eine Ärztin für 4700 Einwohner – dann kam die Poliklinik
Erste Hilfe
Junge erleidet Herzstillstand und wird von Mitschülerinnen reanimiert
Zoonose
Brite an Affenpocken erkrankt – doch was ist das genau?
Drama
Finns letzte Reise
Überraschende Studie
Wer drei Mal am Tag Zähne putzt, erkrankt seltener an bestimmten Herzkrankheiten
Gut zu wissen
Einnahme von Antibiotika: Sechs Fehler, die Sie vermeiden sollten
Welt-Aids-Tag am 1. Dezember
"Mein Russland tötet diese Menschen": Über das Schicksal Aidskranker im größten Land der Welt
Tatsache oder Trugschluss
Verdampft Alkohol beim Kochen vollständig?
"Die Diagnose"
Acht Jahre Filmriss: Eine Frau ist schwer depressiv – die Ursache liegt in ihren Adern
Gut zu wissen
Lebensmittel oder Keime: Was löst Aphthen aus?
Fall aus Bremen
Angeleckt vom eigenen Hund: Mann geht mit Fieber ins Krankenhaus – zwei Wochen später ist er tot
Gut zu wissen
Sie sind giftig oder können krank machen: Diese Lebensmittel sollten Sie niemals roh essen
Fit und schlank
Sie wollen abnehmen? Diese fünf Ernährungsfehler sollten Sie vermeiden
Quelle: Den ganzen Artikel lesen