Christian Drosten erklärt großen Unterschied zwischen Schweinegrippe und Sars-CoV-2

In der Diskussion um Corona wird häufig der Vergleich zur sogenannten Schweinegrippe gezogen. Dieses Virus erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2009 zur Pandemie und warnte mit scharfen Worten vor dem Erreger. Es kam dann nicht so schlimm wie befürchtet, die WHO musste viel Kritik einstecken. Virologe Christian Drosten erklärt in seinem aktuellen Corona-Podcast, was die beiden Pandemien voneinander unterscheidet.

So sei es richtig, dass man sich am Anfang der Schweinegrippe verschätzt habe. Auch er selbst habe damals ja bereits auf dem Gebiet gearbeitet. „Die Schweinegrippe war aber auch nicht so harmlos wie später dargestellt“, sagte Drosten. Es habe ungefähr so viele Tote weltweit wie bei einer normalen Influenza gegeben. „Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.“

Was die Schweinegrippe anders macht

Mit dem aktuellen Coronavirus sei die Situation jedoch nicht vergleichbar. Er sehe sich oft der Kritik ausgesetzt, dass ja nun wieder dieselben Leute warnen würden, die sich damals schon geirrt hätten. Der entscheidende Unterschied, und das habe man damals zunächst nicht erkannt, sei: Für die Schweinegrippe gab es eine Hintergrundimmunität in der Bevölkerung – und zwar bei der ansonsten besonders gefährdeten Risikogruppe, den älteren Menschen.

Drosten, Streeck und Co.

Von diesen Corona-Experten hört man ständig – aber wer ist wirklich kompetent?

Nur 20 Prozent der damaligen Toten seien über 65 Jahre alt gewesen, weil es eine sogenannte Kreuzimmunität zu älteren artverwandten Grippeviren gegeben habe. Besonders die Nachfahren des Virus, das 1918 als Spanische Grippe bekannt wurde und die noch bis 1957 verbreitet gewesen seien, hätten einen solchen Effekt gezeigt. Ergo: Wer vor 1957 seine erste Grippe hatte, war gegen die Schweinegrippe besonders geschützt. Daher sei die Todesrate letztlich viel, viel geringer gewesen als zunächst angenommen.

Warum die Fehleinschätzung von damals noch heute nachwirkt

Aus heutiger Sicht sei diese Fehleinschätzung besonders ärgerlich, weil man nun ständig damit konfrontiert werde und viele Menschen daher die Gefahr durch Corona herunterspielen würden, so Drosten. „Dann heißt es, dass wir damals schon viel Bohei ohne Grund gemacht haben und jetzt wieder.“ Dabei gebe es diese Kreuzimmunität seiner Meinung nach maximal in deutlich kleinerem Ausmaß für das aktuelle Virus. 

Das zeigten ja die weltweiten Sterbezahlen. Drosten wies auch auf eine aktuelle Studie hin, an der auch seine Berliner Charité beteiligt ist. Demnach seien in einem kleinen italienischen Ort in diesem Jahr bis zu 15-mal mehr Menschen verstorben als normalerweise und lediglich bei der Hälfte sei Corona als Todesursache eingetragen worden. Er gehe davon aus, dass auch in anderen Ländern womöglich mehr Menschen an Covid-19 gestorben seien als bislang bekannt. Natürlich beziehe sich die Studie nur auf dieses eine Dorf in Italien, die Situation dort sei aber „schon vergleichbar“ mit Deutschland, gab Drosten an. Auch für Deutschland meldete das Statistische Bundesamt zuletzt eine leicht gestiegene Sterblichkeit, allerdings in viel geringerem Ausmaß als in vielen anderen Ländern.

Mit Blick auf die sogenannte Übersterblichkeit gehe es auch um Tote, die indirekt mit dem Coronavirus zu tun hätten, erklärte Drosten. Etwa Menschen, die mit schweren Erkrankungen nicht ins Krankenhaus oder zum Arzt gegangen seien aus Angst vor Corona. Oder auch Tote durch die Maßnahmen, also solche die womöglich verstorben sind, weil ihre Operationen verschoben wurden, um Kapazitäten für Covid-Patienten freizuhalten. 

Kritik an Medien

Mit Blick auf die Kritik an der Schweinegrippe ging Drosten auch explizit eine mehrere Jahre alte Dokumentation des TV-Senders Arte an. Der Beitrag „Die Profiteure der Angst“ werde „auch nun wieder viel in Verschwörungskreisen geteilt“, sagte Drosten. Dabei sei die Dokumentation – in der auch er selbst vorkommt – in einem „unguten Stil“ geführt. Es kämen Leute zu Wort, „die von der Marterie keine Ahnung“ hätten, „schwere Anschuldigungen“ würden einfach unkommentiert im Raum stehengelassen, kritisierte Drosten scharf. 

Auch generell kritisierte Drosten die Medien. Besonders im TV käme ihm der Blick ins Ausland zu kurz. Man hätte seiner Ansicht nach mehr „über das berichten müssen, was in New York passiert“. Vom Ausland könne man viel über die Gefährlichkeit des Sars-CoV-2-Virus lernen, so Drosten.

Quelle: NDR Den ganzen Beitrag können Sie sich hier anhören.

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